Wer Kink hört, denkt an Berlin. Und wer Berlin sagt, denkt oft auch an Kink. Das ist vielleicht ein wenig zugespitzt, denn natürlich hat die deutsche Hauptstadt weit mehr zu bieten als Latex, Sex und lange Nächte. Trotzdem genießt Berlin seit Jahrzehnten einen besonderen Ruf, innerhalb und außerhalb der Landesgrenzen. Dabei geht es längst nicht mehr nur um einzelne Clubs wie das KitKat oder das Insomnia. Viel spannender ist die Verbindung von Kink mit Techno, mit queerer Kultur und, man glaubt es kaum, auch mit Politik.
Doch warum eigentlich? Warum ist ausgerechnet diese Stadt zu einem der offensten Orte der Welt geworden, wenn es um Sexualität, Identität und Selbstbestimmung geht?
Genau diesen Fragen widmen sich die Touren von Jeff, auch bekannt als Berlin Guide. Er gehört zu den ersten, die geführte Rundgänge durch Berlin anbieten, die sich explizit mit Kink, queerer Geschichte und sexueller Kultur beschäftigen. Im September 2025 haben wir eine dieser Touren selbst begleitet. Ihr wisst ja inzwischen aus unseren Härtetests, dass wir alles, was wir empfehlen, zuerst selbst ausprobieren.
Jeff und das kinky Berlin: Eine Reise in die Vergangenheit
Jeff ist Autor, Aktivist, Sozialwissenschaftler, Redner und Sexualpädagoge. Vor allem aber ist er jemand, der die Geschichte dieser Stadt wie kaum jemand anderes kennt. Während man mit ihm durch Berlin läuft, wird schnell klar, dass hinter vielen Orten weit mehr steckt als das, was man im Vorbeigehen sieht. Jeff erzählt von den progressiven Bewegungen der 1920er Jahre, als Berlin bereits als Zentrum sexueller und gesellschaftlicher Experimente galt. Er spricht über Magnus Hirschfeld und das Institut für Sexualwissenschaft, über frühe queere Bars und über Clubs wie das legendäre Eldorado, in denen konventionelle Geschlechterrollen und Identitäten schon damals hinterfragt wurden.

Die Geschichte endet dort natürlich nicht. Jeff erklärt auch, wie diese Freiräume während der NS-Zeit brutal zerstört wurden und wie lange es dauerte, bis sich in Berlin wieder eine offene Szene entwickeln konnte. Erst viele Jahrzehnte später, besonders nach dem Fall der Mauer, wurde die Stadt erneut zu einem Magneten für Künstler:innen, Aktivist:innen, Freigeister und Subkulturen aus aller Welt. Aus dieser Mischung entstand eine Szene, die heute international als Symbol für sexuelle Freiheit und Selbstbestimmung gilt.
Die Touren sind deshalb weit mehr als klassische Stadtführungen. Sie verbinden historische Hintergründe mit persönlichen Geschichten, kulturellen Entwicklungen und den Orten, an denen diese Subkultur bis heute lebendig ist. Man hört von den Menschen, die diese Szene geprägt haben, von politischen Kampagnen und ihren Gegner:innen und Befürworter:innen, von Debatten rund um Veranstaltungen wie Folsom Europe und von den Werten, die bis heute viele Räume der Berliner Szene bestimmen.

(c) Jeff Mannes / berlinguide.de
Kinky Berlin jenseits von Clubs
Dabei geht es nicht darum, eine Szene auszuleuchten oder sensationelle Einblicke zu versprechen. Es geht darum, Zusammenhänge zu verstehen. Während der Tour entdeckt man Orte, an denen sich Geschichte, Nachtleben und gesellschaftlicher Wandel überschneiden. Hinter Latex, Leder und dunklen Clubräumen steckt schließlich etwas sehr Grundsätzliches. Eine Kultur des Respekts, der Neugier und der Freiheit, sich selbst zu entdecken.
Wer noch tiefer eintauchen möchte, kann auch an intensiveren Formaten teilnehmen, etwa an der Tour „Kinky Taboos: Berlin After Dark“ oder „Kinky Taboos: Berlin’s Forbidden Desires„. Hier geht es wie der Name schon sagt noch stärker um die Geschichte und Gegenwart der Berliner BDSM-Szene. Dabei werden auch Orte der Szene besucht, die weltweit bekannt sind, etwa das KitKat, Berghain, Lab.Oratory oder Insomnia und was die Identität dieser Clubs eigentlich ausmacht, sowie dedizierte Fetisch-Adressen beziehungsweise BDSM-Studios wie das Böse Buben, Fetish Clinic und Atrium.

Jeff selbst ist seit vielen Jahren in verschiedenen Rollen in der queeren Szene aktiv, unter anderem als Autor für die Siegessäule. Seine Touren wirken deshalb weniger wie klassische Führungen und mehr wie ein gemeinsames Entschlüsseln der Stadt. Queere und trans Perspektiven stehen dabei ebenso im Fokus wie die Frage, wie sich aus Geschichte, Politik und Subkultur ein Raum entwickeln konnte, der bis heute von vielen als außergewöhnlich offen wahrgenommen wird. Die Touren finden in der Regel auf Englisch statt, auf Anfrage sind auch Formate auf Deutsch möglich. Alle Infos und alle Touren gibt es auf berlinguide.de und mit dem Code DEVIANCE sogar 20 Prozent Rabatt!