KAPA, diese Abkürzung steht für Kink Aware Professional Association, einem Verein aus Österreich, den wir euch vor einiger Zeit hier vorgestellt haben. Dahinter befinden sich Fachleute aus verschiedenen Disziplinen wie Medizin, Recht, Jugendarbeit und Psychologie, an die man sich wenden kann, sollte man mit einem Problem hadern, das irgendwie mit der Vorliebe für BDSM zusammenhängt, man jedoch befürchtet aufgrund dessen stigmatisiert zu werden. Denn die KAPs tun genau das nicht.

Und vor allem sind die KAPs nicht einfach eine passive Liste, sondern betreiben aktiv Aufklärung. Klassisch auf Social Media und Ende Mai 2026 auch mit dem ersten Kongress dieser Art in Wien. Zwei Tage lang, nämlich am 29.und 30. Mai 2026 geht es in der Location Markhof und Online mit Expert:innen richtig in die Tiefe. Angefangen bei Kink-Shaming im Klinik-Alltag und veränderte Bewusstseinszustände über anorektale Verletzungen und Kink in der Schwangerschaft bis hin zu parasozialen Beziehungen und der Rolle von künstlicher Intelligenz. Das ganze Programm sowie Tickets findet ihr hier.

Doch warum ist das ganze denn eigentlich so wichtig? Wir haben Vizepräsident Martin Gostentschnig befragt.


Wen wollt ihr vor allem anziehen/ansprechen?

Martin: Unser Ziel ist es, Menschen zusammenzubringen, die die Arbeit mit alternativen Beziehungsformen und Sexualität als integralen Bestandteil moderner Gesundheitsversorgung und professioneller Beratung betrachten, der die Vielfalt gesellschaftlicher Realitäten widerspiegelt. Zusätzlich ist uns wichtig für mehr Kompetenz und Qualitätssicherung in diesem Bereich zu sorgen.

Wieviele Besucher:innen werden vor Ort erwartet? 

Martin: Wir kalkulieren für dieses intensive Format mit rund 120 Teilnehmenden vor Ort. Uns ist wichtig, dass die Atmosphäre einen echten Austausch zulässt, weg von der anonymen Massenveranstaltung, hin zu einem Raum, in dem Vernetzung zwischen den Disziplinen tatsächlich stattfindet.

Im erste Vortrag geht es um Heteronormativität und moralische Wertannahmen im klinischen Alltag im Krankenhaus. Sehr interessant, vor allem die Praxisbeispiele. Könnt ihr dazu schon was sagen?

Martin: Dieser Programmpunkt ist essenziell, weil er den „blinden Fleck“ vieler Institutionen adressiert. In der Klinik wird oft unbewusst von einer heteronormativen Biografie ausgegangen. Das führt in der Praxis zu Barrieren, kink shaming und im schlimmsten Fall zu Fehlversorgungen. Dr. Kirchheiner wird anhand von Praxisbeispielen aufzeigen, wie eine sensible Vorgehensweise aussieht, die moralische Wertannahmen hinterfragt und so eine sicherere Umgebung für alle Patient:innen schafft.

Mehr Infos gibt es auch auf dem Instagram-Profil von KAPA.

Es sind ja nicht nur Professionals wie Therapeut:innen und Ärzt:innen als Vortragende geladen, sondern auch Unternehmer:innen und Künstler:innen. Wie passen die zu KAPA und dem Kongress? 

Martin: Weil wir Sexualität nicht isoliert im Labor betrachten können und wollen. Unternehmer:innen treiben die Innovation voran – sei es durch neue Hilfsmittel oder digitale Plattformen. Künstler:innen hingegen besitzen die Sprache, um Schmerz, Lust und Identität jenseits von ICD-10-Codes auszudrücken. Wenn eine Sexualmedizinerin, ein Sexualtherapeut und eine Künstlerin aufeinandertreffen, entstehen Synergien, die wir für eine moderne Gesundheitsversorgung und ein zeitgemäßes Verständnis von Beziehung und Sexualität dringend brauchen. KAPA bricht bewusst mit konventionellen und einschränkenden Vorstellungen und lädt ein über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken.

Ein Thema, das auch stattfindet und auch uns bei Deviance schon lange umtreibt, ist die immer größer werdende Rolle von KI und Streaming im Sexualbereich. Was ist eure Meinung dazu?

Martin: Wir beobachten diese Entwicklung sehr genau. KI und Streaming sind längst keine Randphänomene mehr; sie prägen die sexuelle Skriptbildung und das Erleben von Intimität ganzer Generationen. Bei KAPA nehmen wir eine beobachtende, fachlich fundierte Haltung ein: Wir diskutieren die Risiken wie Suchtpotenziale oder Körperbild-Verzerrungen, aber auch das Potenzial von VR und KI als therapeutische Ergänzung oder als Werkzeug für sexuelle Selbstbestimmung.

Abgesehen von mehr Akzeptanz und – na klar – Awareness, was ist das Ziel des Kongresses?  

Martin: KAPA ist weit mehr als eine Veranstaltung – es ist die Etablierung einer neuen professionellen Kultur. In unserem Verständnis bilden der KAPA Kongress und das KAPA Netzwerk eine untrennbare Einheit: Während der Kongress den Raum für wissenschaftliche Kompetenz, Empathie und den fachübergreifenden Diskurs öffnet, sichert das Netzwerk den Transfer dieser Werte in den Alltag und die Verbindung zur Community.

Dr. Martin Gostentschnig ist Psychotherapeut und klinischer Psychologe.

Wir wollen die Sprachlosigkeit beenden – sowohl zwischen den Disziplinen als auch im Dialog zwischen Professionals und Klient:innen. Der Kongress dient hierbei als Katalysator: Die Teilnehmenden kehren mit einem geschärften Blick und handfesten Tools in ihren Arbeitsalltag zurück, um eine professionelle Haltung zu leben, die fachliche Dienstleistung mit der Anerkennung menschlicher Vielfalt vereint.

Unsere Mission ist es, durch dieses lebendige Netzwerk dauerhafte Qualitätsstandards in der Begleitung von alternativen Beziehungs- und Lebensformen zu etablieren. KAPA ist der Startpunkt – für einen aufgeklärten Diskurs, für progressive Expertise und für eine Gemeinschaft, die auch über den Kongress hinaus gemeinsam die Zukunft der professionellen Begleitung gestaltet.


Dr. Martin Gostentschnig ist Psychotherapeut, klinischer Psychologe, Philosoph und nicht zu guter Letzt auch einfach Mensch. Zudem betreibt der KAPA-Vizepräsident auf Social Media Aufklärungsarbeit unter dem Namen @dr.k1nkaware und hat sich als Psychotherapeut auf BDSM & Alternative Sexualitäten spezialisiert.

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