Was bedeutet eigentlich „pervers“?

Der Begriff kommt vom lateinischen „perversus“. Die Übersetzung bedeutet ursprünglich „verkehrt“ oder „umgedreht“. Größtenteils wird das Adjektiv bezogen auf Sexualität verwendet. Oft spricht man auch bei Verhaltensweisen, die nicht dem ethischen Konsens der Mehrheit entsprechen von „pervers“. Letztendlich bezeichnet man sogar kriminelle Abscheulichkeiten so. Im Alltagsgebrauch verwenden wir das Wort jedoch auch salopp, um besonders unkonventionelle Vorlieben zu beschreiben. Alle Verwendungen haben eines gemeinsam: Es wird damit eine Andersartigkeit, der Gefallen an etwas „Falschem“ ausgedrückt.

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Wer oder was ist pervers?

Perversität entsteht zum größten Teil im Auge des Betrachters.

Jan Wöllert

Dieses Zitat beschreibt gut, warum von uns keine Praktik oder Person als pervers gelabelt wird. Man verbindet mit „pervers“ vor allem tabuisiertes Verhalten. Doch was für den oder die eine:n als abnorm, abartig oder obszön gilt, ist für den oder die andere:n völlig natürlich.

Gerade Kinks und Praktiken im BDSM-Bereich werden von Vanillas oft als pervers empfunden, weil diese ungewohnt und bizarr oder absurd erscheinen.

Während der Begriff „kinky“ definitiv auf eine sexuelle Andersartigkeit anspielt, ist „pervers“ nicht zwingend sexuell kontiert. Auch nicht-gängige Vorlieben im Alltag gelten als pervers. Nicht nur Jugendliche verwenden das Wort untereinander gern scherzhaft. Jedoch benutzt man den Begriff größtenteils für solche Neigungen, die zum eigenen oder dem Leidwesen Anderer führen.

Wann ist Perversion krankhaft?

Sucht man nach einer medizinischen Bedeutung zu „pervers“, so stößt man fast ausschließlich auf höchst antiquierte Definitionen.1 Nach diesen sei jede Sexualpraktik abseits von Vaginalverkehr zwischen Frau und Mann pervers. „Perversion“ oder pervers zu sein, existiert bis heute jedoch nicht als Krankheitsbegriff.

Bei unmenschlichen Verbrechen und Triebtäter:innen ist in der Berichterstattung oft von „Perversion“ die Rede. Pathologisch spricht man von perversen Menschen, sobald jemand sich selbst oder andere quält. Damit ist jedoch nicht gemeint, dass der oder die Betroffen:e unter der Stigmatisierung seines Verhaltens leidet. Sondern tatsächlich, dass durch seine oder ihre Neigung Leid verursacht wird. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn ein Verhalten zur Sucht wird.2 Im Gegensatz dazu bezeichnet der harmlosere Begriff „Perversität“ eher ein Laster.

Was es bei dem Begriff zu beachten gilt

Die Beschreibung pervers verwendet man vor allem in der BDSM-Szene mit Vorsicht. Ein:e Perverse:r oder Perversling zu sein, ist für die Mehrheit negativ besetzt und führt schnell zu Kinkshaming. Sicherlich gibt es Personen, die gerade Lust empfinden, die Tabus der Anderen zu brechen. Die es mit Süffisanz genießen, als pervers bezeichnet zu werden. Oder es humorvoll und hyperbolisch nutzen.

Jedoch bleibt der Begriff besetzt mit der Assoziation nicht-einvernehmlicher Qual. Denn „pervers“ wird abseits der Szene größtenteils abwertend verwendet und gilt daher als eine Beleidigung. Es ist höchst diskriminierend, Menschen aufgrund ihrer sexuellen Vorlieben das Gefühl zu geben, unnormal, abartig oder gefährlich zu sein. Jeder definiert und interpretiert das Wort für sich anders.3 Deshalb verwenden wir es besser einmal zu selten als einmal zu oft.


  1. ttps://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/content/titleinfo/207897/full.pdf. Seite 103f. ↩︎
  2. https://www.aerzteblatt.de/archiv/34900/Leitsymptome-suechtig-perverser-Entwicklungen  ↩︎
  3. https://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/perversion/11440 ↩︎

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