Fetischparty: Champagner oder düstere Keller?

Autor: Kitteh
Interviews | Stories

Beim Wort „Fetischparty“ denken die meisten, vor allem Nicht-kinky Personen an Swingerclubs, Gruppensex und dunkle Nebengassen. Kinkster wissen: Eine Fetisch-Veranstaltung ist alles andere als schmuddelig. Hier trifft sich die Szene. Es geht ums Sehen und Gesehen-werden. Darum unsere schönsten kinky Seiten zu zeigen, in Kontakt zu kommen und Spaß zu haben. Eine Nacht mit einem ganz besonderen Knistern.

Christian aus München veranstaltet seit 14 Jahren die SubRosaDictum, kurz SRD. Sie ist eine der beliebtesten und größten Fetisch-Veranstaltungen in Süddeutschland. Er weiß, worauf es ankommt.


Wie würdest du als Veranstalter eine Fetischparty erklären?

Christian: Es ist ein großer Spielplatz für Erwachsene.

Wie viel hat eine Fetisch-Veranstaltung tatsächlich mit BDSM und Sex zu tun?

Christian: Es ist eine Bühne die bereitet wird. Daher hat es immer so viel damit zu tun, wie die Akteurinnen und Akteure das haben wollen. Letztendlich kannst du nur eine Kulisse hinstellen und die richtigen Leute zur richtigen Zeit an den richtigen Ort bringen. Was dort passiert, ist die Entscheidung der Protagonist:innen.

Es variiert also von Veranstaltung zu Veranstaltung?

Christian: Extrem. Es kann sehr unterschiedlich sein, welche Energie du gerade hast, wie die Leute drauf sind und auf was sie Lust haben. Jede Veranstaltung ist für sich selber zu sehen. Du kannst zwar als Veranstalter viel beeinflussen, indem du eine tolle Örtlichkeit aussuchst, gestaltest, Möglichkeiten zur Verfügung stellst und natürlich das richtige Publikum einlädst. Aber was letztendlich passiert, das ist eine Sache der Gäste.

Foto: Heinrich von Schimmer

Fetischpartys im Wandel – neue Konzepte und alte Traditionen

Haben sich Fetischpartys in den letzten Jahren verändert? Wenn ja, wie und warum?

Christian: Ja, es hat sich sehr verändert. Allerdings nicht überall. Das ist von Stadt zu Stadt und von Land zu Land unterschiedlich. Ich finde, dass sich in München sehr viel getan hat, in der Art und im Style. Aber es gibt natürlich auch Fetisch-Veranstaltungen, wo alles noch sehr traditionell ist.

Früher war die BDSM- und Fetischszene wahnsinnig verschworen. Das waren kleine Zirkel und deren Partys. Keine öffentliche Sache, wo jeder hingehen konnte. Heute sind Fetischpartys richtige Happenings! Es kommen viele Leute zusammen aus allen möglichen Orten. Viele Events sind glamouröser geworden und wollen einen gewissen Style haben. Es hat sich optisch einiges verändert und natürlich die Größe.

Aber andererseits gibt es die anderen, kleineren Fetisch-Veranstaltungen ja noch genauso. Es gibt weiterhin intime, sehr verschworene Partys. Wir haben also zwei Ströme: Das eine ist die Internationalisierung von Events. Das andere sind Partys aus der Szene für einen kleinen Kreis.

Warum sind die Parties größer geworden? Ist das Interesse an Fetisch und BDSM gewachsen?

Christian: Es wird heute mehr mit dem Image gespielt. In den Medien, der Kunst, im Film und der Musik. Fetisch-Optik ist Teil der Popkultur und dadurch vielleicht etwas normaler geworden. Aber letztendlich merke ich, dass es für die meisten Leute immer noch eine Riesenüberwindung ist, diesen Schritt auf eine Party zu machen.

Foto: Heinrich von Schimmer

Die SubRosaDictum ist bekannt als eine extravagante Party mit Klasse und Flair. Wie seid ihr zu diesem Image gekommen? Was unterscheidet euch von anderen Partys?

Christian: Zuerst mal möchte ich sagen: Wir werten nicht unter verschiedenen Formaten und Fetisch-Veranstaltungen. Es gibt für jeden Geschmack etwas und über Geschmack lässt sich vorbildlich streiten. Es gibt Leute, die mögen andere Events und es gibt Leute die mögen die SubRosaDictum. Du kannst nicht sagen das eine oder andere ist besser.

Die Subrosa ist natürlich so, wie es mir oder uns gefällt. Und ich mag halt einen gewissen Look, der ein bisschen weiblicher und nicht so hart ist. Hinter unseren Partys gibt es immer ein Konzept und eine Geschichte. Es ist für uns nicht nur eine Fetisch-Veranstaltung. Für uns ist das ein Lifestyle, den ich toll finde. Und ich würde es nicht machen, wenn ich dafür nicht brennen würde.

Foto: Heinrich von Schimmer

Düsterer Keller oder Chamagnerfontänen? Worauf kommt es bei einer Fetisch-Veranstaltung an?

Christian: Auf die Gäste. Es steht und fällt alles mit den Gästen. Du kannst die genialste Party in einem düsteren abgelegenen Kellerloch haben, wo das Bier warm ist. Weil die Leute cool sind. Und du kannst die schlechteste Party in einer High-Class-Location mit Champagnerfontänen haben. Es kommt wirklich auf die Gäste an. Das macht es aus. Die richtige Mischung von Menschen und der Respekt der dort herrscht. Die Geschichte drum herum ist eine schöne Sache. Eine Fantasie erschaffen, das funktioniert nur, wenn jemand das auch mit sich machen lässt.

Woher kommen die Ideen und wie läuft in die Planung ab?

Christian: Es beginnt oft mit Situationen oder Szenarien, die mir gefallen. Oder ich habe schon einen Namen und möchte eine Party dazu machen. So war es bei der Enzian Fatal. Da fand ich den Namen cool und dachte, dazu brauche ich eine Berghütte am See. Es kann aber auch sein, dass man eine witzige Location sieht und sich fragt: Was kann man daraus machen?

Es braucht nur einen Inspirationsmoment. Wir hatten mal eine Party in einer ganz bekannten Location in München, dem Aquarius. Leider gibt es das inzwischen nicht mehr. Das war ein dreistöckiger Wassertank, der inmitten eines Aquariums stand. In den 70er Jahren war hier eine Disco. Außenrum sind Fische geschwommen und du konntest durch die Bullaugen in dieses Aquarium schauen. Als wir die Location fanden, war sie schon total heruntergekommen. Aber das ganze Metall, diese Bullaugen und dieser Schacht mit drei Stockwerken hat uns an einen Reaktor erinnert. Wir haben daraus eine Geschichte gemacht, es entstand eine Party namens „Der Fetisch-Reaktor“.

Auf was muss man bei der Location achten?

Christian: Man muss ehrlich sein zu den Leuten, denen die Location gehört. Ganz wichtig ist es, mit offenen Karten zu spielen und zu sagen, was man dort macht. Das machen wir immer so. Ich möchte, dass es ein schönes Erlebnis ist, auch für denjenigen, der die Location vermietet.

Foto: Heinrich von Schimmer

Und die Musikwahl, worauf kommt es da an?

Christian: Die Musik ist das schwierigste! Normalerweise gehen Leute auf eine Party, weil sie eine gewisse Musikrichtung hören wollen. Hier gehen sie auf eine Party, weil sie einen gewissen Fetisch ausleben und ein gleich gesinntes Publikum treffen wollen. Da ist der Musikgeschmack ganz breit. Es ist sehr schwierig und immer eine Kompromisslösung. Man muss den kleinsten gemeinsamen Nenner finden und das versuchen wir. Es braucht gute DJs, die mit den Leuten mitgehen.

Was wünscht du dir für eure Besucher?

Christian: Dass sie Menschen kennenlernen, mit denen sie Ihre Fantasien ausleben können. Dafür gibt es ja Veranstaltungen. Wir bieten ein sicheres Umfeld gleichgesinnte im realen Leben zu finden. Es geht darum Spaß zu haben und Fantasien zu erleben.

Trotz dem Grundsatz „Don’t drink and kink“ wird auf der SubRosaDictum auch Alkohol ausgeschenkt. Wie stehst du zum Thema Alkohol auf einer Fetisch-Veranstaltung?

Christian: Für mich widerspricht sich das nicht. Klar sollte man unter Alkoholeinfluss viele Dinge nicht machen. Aber die Leute, die betrunken sind, sind eher am Tanzen und Feiern interessiert und weniger am Spielen. Ich verstehe natürlich den Grundsatz. Letzten Endes sind alle Gäste erwachsen genug und müssen selbst wissen, wo Schluss ist. Das kann ich keinem vorschreiben.

Ich weiß nur eins: Sehen wir, dass etwas droht schief oder zu weit zu gehen, dann unterbinden wir das. Eine Fetisch-Veranstaltung ist ein sehr sicherer Raum. Wenn wir eingreifen, passiert das sehr diskret, ohne dass jemand sein oder ihr Gesicht verliert. Aber wir werden nie zulassen, dass irgendetwas passiert. Da haben wir ein Auge drauf. Wir haben genug diskrete Security, die man erst sieht, wenn sie gebraucht werden. Außerdem passt die Community wahnsinnig gut gegenseitig auf einander auf. Das funktioniert.

Foto: Heinrich von Schimmer

Was sind deiner Meinung nach No-Gos auf einer Fetischparty?

Christian: Erstmal Sachen, die selbstverständlich sind: Es ist eine Veranstaltung für Erwachsene, also niemand unter 18. Ein No-Go ist für mich den Alltag mitzunehmen. Stell dir vor du bist auf einer total tollen Fetisch-Veranstaltung. Alle sind toll und extravagant angezogen… und quatschen dann über die neusten Rasenmäher und Kindererziehung. Das passt nicht! Du bist in einer Wonderworld, das ist nicht der richtige Zeitpunkt für den Alltag.

Ein weiteres No-Go ist, sich keine Mühe zu geben. Ich bewundere immer, wie die Leute sich in eine Rolle begeben und sich ausleben. Deswegen lassen wir ungern Personen in beispielsweise Hemd und schwarzer Hose rein. Du spielst das Spiel nicht mit und das tut der Szenerie einen Abbruch. Davon abgesehen fühlen sich die Personen in Abendgarderobe  letztendlich meist selbst unwohl und nicht zugehörig. Man nimmt irgendwie eine Beobachterposition ein, will sich nicht exponieren. Aber als Beobachter erlebt man nichts.

Foto: Heinrich von Schimmer

Eure Zielgruppe sind Kinkster. Aber was würdest du Neulingen raten, die ihre erste Fetisch-Veranstaltung besuchen möchte?

Christian: Nicht Unmengen von Geld für ein Outfit ausgeben, sondern erstmal kreativ sein. Da gibt es unzählige Möglichkeiten. Ich würde außerdem empfehlen, auf eine größere Veranstaltung zu gehen, wo einfach mehr Leute sind und eine gewisse Anonymität herrscht. Es ist einfach leichter eine:r unter vielen zu sein.

Außerdem muss man sich auf nichts festlegen, sondern darf sich das ganze erstmal anschauen. Wenn jemand fragt: „Und, warum bist du hier? Auf was stehst du?“ ist es okay, zu sagen, man schaut sich das erstmal an. Niemand muss sich gleich ein Etikett auf die Stirn kleben lassen. Es ist auch schön, nicht ganz allein hinzugehen, sondern mit jemandem zusammen. Ansonsten einfach offen sein, nicht urteilen und sich das ganze anschauen.


Unter subrosadictum.de sind die neuesten Termine immer einsehbar. Wer Lust bekommen hat selbst einmal dabei zu sein, sollte am besten den Newsletter abonnieren. Denn aus Erfahrung sind die begehrten Tickets immer schnell vergriffen. Christian freut sich auf euch und vielleicht trifft man dort sogar das ein oder andere Match von Deviance.

Erfahre mehr über

Teile den Beitrag

Das könnte Dich auch interessieren