STI und STD Teil IV: Infektionsrisiken im BDSM

Autor: KatKristall
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Sind BDSMler:innen anfälliger für Geschlechtskrankheiten?

Es gibt es keine Statistik, die besagt, dass in der BDSM-Szene ein höheres Risiko für die Ansteckung mit sexuell übertragbaren Krankheiten gegeben ist. Dennoch dadurch, dass im BDSM viele verschiedene Oberflächen, Materialien und Gegenstände im Gebrauch sind, entsteht mit Sicherheit ein höheres Risiko, als bei so genannten Vanilla-Praktiken. So gibt es viele Spielarten die Körperflüssigkeiten involvieren wie etwa Spermaspiele, Natursekt, Spitting, Leckdiener:innen. Viele leben außerdem poly, gehen auf Parties, Events, Swingerabende und haben somit intimen Kontakt mit mehr Menschen.

Eine Methode, um das Potenzial zu reduzieren ist Safer Sex. Durch den Gebrauch von Kondomen, Femidomen, Handschuhen und Lecktüchern schützt man einerseits sich selbst, nimmt andererseits Rücksicht auf aktuelle und zukünftige Partnerpersonen. Safer Sex schützt zwar vor den meisten Krankheiten, absoluter Schutz ist jedoch nie gegeben. Daher ist es wichtig, zusätzlich auf die richtige Reinigung und Desinfektion von Körper, Oberflächen und Equipment zu achten.

Und auch wenn BDSM nicht immer mit Sex gleichzusetzen ist, so gibt es neben den üblichen Übertragungswegen über Körperflüssigkeiten, Schleimhäute und Schmierinfektionen auch ohne vaginalen, oralen oder analen Kontakt im BDSM viel Ansteckungspotenzial für STIs und STDs. 

Beispielsituationen für BDSM-Spielarten, in denen STDs übertragen werden können

  • Alle Spielarten, die mit Körperflüssigkeiten zu tun haben, also alle Formen von Verkehr egal mit welcher Körperöffnung und ob mit Geschlechtsteilen oder Fingern
  • Unsauberes Sexspielzeug
  • Sexspielzeug, das vorher mit Speichel benetzt wurde
  • Mit der Hand ins Gesicht oder an Geschlechtsteile fassen, wenn noch andere Körperflüssigkeiten dran haften
  • Ein Bondageseil, das in Berührung mit dem Genitalbereich oder dem Mund kommt und dann ohne Säuberung weiter verwendet wird, kann ebenfalls Infektionen übertragen
  • Natursekt
  • Rimming
  • Eine Geschlechtskrankheiten wird durch Natursektspiele nur selten übertragen, durch Spucke allerdings öfter. Jemanden in den Mund zu spucken ist also gefährlicher als jemanden an zu pinkeln.
  • Auch ein Übertragungsweg ist Gleitgel: benutzt du zum Beispiel Gleitgel aus einer Dose für verschiedene Praktiken und mit verschiedenen Partnern, dann kannst du auch hier Bakterien und Viren übertragen.
  • Alles was die Haut verletzen kann: Impact, Nadeln, Wartenbergrad, Klemmen, Kneifen, Kratzen, Beißen, Knife Play. Selbst festes Zupacken, kann die oberen Hautschichten verletzen und somit das Eindringen von Bakterien und Viren ermöglichen.
  • Auch Schlagwerkzeug, das nicht gereinigt wurde zum Beispiel von Hautschuppen, Schweiß oder Blut einer anderen Person, kann Infektionen übertragen
  • Für einige STIs reicht es aber schon aus ein Glas mit jemanden zu teilen, den Toilettensitz nach einer infizierten Person zu nutzen oder ein nasses Handtuch zu gebrauchen, das Erreger speichert.
  • Ein weiterer Faktor sind Clubs, Parties und Spielräume: hier wird auf denselben Möbeln oft knapp hintereinander oder spontan auch gemeinsam gespielt. Viele achten bereits darauf die Oberflächen zu desinfizieren und etwas unterzulegen, dennoch können Stellen vernachlässigt werden

Safer Sex plus die richtige Reinigung

Denn Nachlässigkeit ist der größte Grund für das Infizieren mit Krankheiten. Natürlich denkt man im Eifer einer Session nicht unbedingt daran, jeden einzelnen Gegenstand zu desinfizieren, Toys je nach Partner zu tauschen, Handschuhe überzuziehen und andere Maßnahmen zu treffen. Sollten wir aber.

  • Reinigt vor und nach dem Gebrauch euer Equipment und bewahrt es sicher vor Verunreinigungen auf.
  • Beim Teilen eines Spielzeug, sollte es abgekocht und desinfiziert, mindestens jedoch mit Toy-Reiniger gereinigt werden
  • Benutzt immer ein Kondom, wenn Spielzeug spontan geteilt wird
  • Benutzt für jedes Spielzeug oder eingeführten Gegenstand an einem neuen Partner ein neues Kondom/Lecktuch/Handschuh oder Femidom
  • Auch beim Wechsel von oral zu vaginal und/oder zu anal sollte jedes Mal ein neues Kondom/Lecktuch oder Handschuhe benutzt werden
  • Verwendet beim Spiel mit Nadeln, Tackern, Skalpellen oder anderen scharfen Gegenständen immer neues, steriles Equipment. Desinfiziert die Haut vorher doppelt und auch eure eigenen Hände, benutzt alles nur einmalig und entsorgt es danach korrekt. 
  • Vergesst nicht euer Schlagwerkzeug ebenfalls zu desinfizieren, um es von möglichem Hautschuppen, Schweiß oder Blut einer anderen Person zu befreien

Weitere Schritte die du unternehmen kannst

  • Klärt mit jeder Partnerperson euren und ihren Status bezüglich möglicher Geschlechtskrankheiten ab
  • Lasst euch regelmäßig auf sexuell übertragbare Krankheiten testen und besteht auch bei euren Partnerpersonen darauf
  • Teilt keine porösen Gegenstände zum Beispiel aus Plastik, Stoff oder Wildleder, die nicht korrekt gereinigt werden können

Das war Teil IV der Deviance-Serie über sexuell übertragbare Infektionen. Auch interessant:

STI und STD Teil: Übertragungswege
STI und STD Teil II: Die häufigsten Geschlechtskrankheiten
STI und STD Teil III: Irrtümer und Klischees
STI und STD Teil V: Safer Sex und BDSM

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