Wie man als Paar mit BDSM anfängt

Autor: Marina
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Es ist dieser besondere Aua-Moment im Leben jedes SMlers, wenn ihm oder ihr klar wird, dass die Neigungen und Fantasien, die er oder sie schon länger in sich spürt unter BDSM fallen. Auch in Vanilla-Beziehungen kommt es oft vor, dass ein Part den Wunsch äußert, die ein oder andere Fantasie in Richtung BDSM auszuleben. Nur, wie setzt man diese auch um? Wie tastet man sich vor? Wir haben euch einen Leitfaden für BDSM-Anfänger:innenzusammengestellt.

Schritt Eins: Die Rahmenbedingungen abstecken

Bevor ihr anfangt, ist ein klärendes, fast sachliches Gespräch angebracht. Denn im Zentrum einer jeden BDSM-Session steht immer ein Machtgefälle, das abgesteckt werden muss. Wer ist Top, wer ist Bottom?

Als zweites legt ihr fest, wer kontrolliert und wer sich unterwirft und vereinbart ein Safeword, bei dem das Spiel sofort abgebrochen wird. Wichtig ist, dass das Safeword unmissverständlich ist, denn ein „Nein“, oder „Bitte nicht“ oder „Stop“ könnte ja auch zum Spiel gehören. Wählt also lieber etwas außergewöhnliches, was in eurem sexuellen Zusammenhang vermutlich nicht vorkommt, wie zum Beispiel „Blumenvase“ oder „Playstation“. Ihr könnt auch das Ampelsystem verwenden, bei dem das Wort „Rot“ sofortigen Abbruch signalisiert und „Gelb“, dass die Intensität nicht noch weiter gesteigert werden darf.

Als drittes sollte geklärt werden, was genau gemacht wird und was nicht. Dazu ist es wichtig, dass jeder Part seine Wünsche, Fantasien und Tabus offen ausspricht. Das kostet den meisten etwas Überwindung, ist aber unumgänglich um Missverständnisse zu vermeiden, die im schlimmsten Fall zu einem Trauma führen könnten. Sollten die Wünsche beinhalten, dass einer nicht sprechen kann, geht zurück an den Anfang und vereinbart ein unmissverständliches Zeichen statt einem Safeword, wie etwa das Formen eines Rings mit Daumen und Zeigefinger.

Sexuelle Fantasien zu kommunizieren, ist besonders für BDSM-Anfänger:innen Übungssache. Je öfter ihr über eure Bedürfnisse und Fantasien sprecht, umso leichter wird es euch mit der Zeit fallen. Angst vor Ablehnung ist hier fehl am Platz. Denkt immer daran, dass euer Gegenüber dieselben Ängste hat und begegnet euch urteilsfrei.

Schritt Zwei: Sich langsam vortasten

Eure erste BDSM-Session muss nicht gleich hartes Schlagen, Fesseln oder Anspucken sein, sondern könnte damit beginnen, dass ein Part dem anderen Befehle gibt wie sich einfach mal hinzuknien oder auszuziehen. Es könnte aber auch mit einer nicht sexuell motivierten Anweisung beginnen, wie etwa die Wohnung aufzuräumen.

Beobachtet, was das mit euch und eurem Gegenüber macht, wie es sich anfühlt und geht je nach Wohlbefinden weiter oder nicht. Dann überlegt, was als nächstes kommt. Zum Beispiel könnte die unterwürfige Person ihre Position verändern, den Blick senken oder sich anfassen.

Ihr müsst euch nicht verstellen und plötzlich anders oder besonders herrisch sprechen. Ihr müsst hier keinem bestimmten Bild entsprechen. Ganz im Gegenteil: Wichtig ist, dass ihr euch selbst treu bleibt und mit der gewohnten Sexualität verbindet. Befreit euch also von bestimmten Vorstellungen oder vermeintlichen Vorbildern. Besonders Filme sind keine gute Referenz. Weder 50 Shades of Grey noch Pornos entsprechen der Realität. Hardcore-Praktiken wie sie in SM-Pornos vorkommen, bedürfen außerdem der jahrelangen Erfahrung.

Wenn Equipment im Spiel ist, sollte dieses langsam angetestet werden. Ein Seil beispielsweise könnte erst einmal langsam über die Haut gezogen werden, um die Reaktion des Untergebenen zu beobachten, dann etwas ruppiger.

Schritt Drei: Anfangen mit dem, was man hat

Apropos Equipment: Eine spezielle Ausrüstung ist für die Herstellung eines BDSM-Machtgefälles grundsätzlich nicht nötig. Es genügen die eigenen Ideen und Gedanken. Erst wenn es um konkrete Fantasien wie Fesselspiele, einsperren oder Augen verbinden geht, kommt Equipment ins Spiel.

Eine Augenbinde ist immer ein guter Anfang, um dem Gegenüber den Sehsinn zu nehmen. Die Schlafmaske vom letzten Urlaubsflug oder ein Schal sind nicht nur für BDSM-Anfänger:innen bestens geeignet.

Für Spiele, die bereits in eine schmerzhafte Richtung gehen, findet ihr nützliche Gegenstände im Haushalt mit denen ihr die Lust am Schmerz ausprobieren könnt, bevor ihr viel Geld für teure Schlaginstrumente ausgebt, die bei Nichtgefallen nicht mehr benutzt werden.

Für Schläge auf den Po kann es einfach eure Hand oder ein Kochlöffel sein. Fangt sanft an und steigert die Intensität je nach Reaktion oder Feedback der empfangenden Person. Mit Holzwäscheklammern könnt ihr ausprobieren, wie es sich anfühlt Brustwarzen oder andere Hautstellen abzubinden. Mit einer Gabel oder einem Zahnstocher könnt ihr austesten, wie ihr auf leichtes pieksen oder kratzen reagiert.

Denkt immer daran: Hauptakteure seid immer ihr selber mit eurer eigenen Lust oder Kreativität, nicht das Super-Equipment!

Härtere Praktiken, bei denen auch etwas schief gehen kann, wie zum Beispiel Nadelspiele, Kerzenwachs oder Würgen („Breathplay„) sind nichts für eine erste Session, denn ihre Wirkung kann eine ganz andere sein als erwartet. Testet euch an solche Praktiken lieber zunächst in einem nicht sexuellen Kontext vor. Zum Beispiel abends angezogen auf der Couch. Dasselbe gilt für komplizierte Knoten, Kabelbinder, Bondage mit Frischhaltefolie oder generell unbekannte Materialien. Solltet ihr euch eines Tages in diesen Bereich vorwagen, achtet darauf eine Schere bereit zu legen, um Seile oder Folie im Notfall schnell lösen zu können.

Schritt vier: Über das Erlebte sprechen

Nach der Session über das Erlebte zu sprechen, ist genauso wichtig wie das Vorgespräch. Was hat euch gefallen, was nicht, wovon hättet ihr euch mehr oder weniger gewünscht, welche Gedanken gingen euch durch den Kopf und welchen Eindruck hattet ihr von eurem Gegenüber in welcher Situation?

Gespräche gehören zur Aftercare im BDSM und helfen, die intensiven Eindrücke zu verarbeiten, sich besser kennenzulernen und auf dieser Basis die nächsten Sessions zu gestalten. Sollte Sex involviert gewesen sein, ist der beste Moment, um über das Erlebte zu sprechen, direkt danach. Vorausgesetzt die Erfahrung war positiv. Denn das ausgeschüttete Hormon Oxytocin stärkt das Gefühl der Verbundenheit, lockert die Zunge und lässt uns die Emotionen des Gegenübers besser lesen.

Sagt offen und ehrlich, wenn euch etwas oder sogar das ganze Spiel nicht gefallen hat. Es ist vollkommen ok, wenn ihr zu dem Schluss kommt, dass BDSM nichts für euch ist. Was nicht ok ist, ist etwas zu machen, nur um dem Partner einen Gefallen zu tun.

Schritt Fünf: Austausch mit anderen

Solltet ihr Gefallen gefunden haben und tiefer in BDSM einsteigen wollen, empfehlen wir, sich mit anderen über Erfahrungen auszutauschen. Online, auf Stammtischen, die in jeder größeren Stadt mehrmals im Monat stattfinden oder sogar auf speziellen Parties. Zu Letzteren zu gehen, verpflichtet übrigens zu gar nichts. Man kann auch nur einmal gucken und sich unterhalten. Oder ihr besucht einfach mal einen Fetisch-Shop. Es gibt aber auch spezielle BDSM-Coaches, die Paare oder generell BDSM-Anfänger:innen und nicht so erfahrene Menschen beraten.

Wer sich einmal traut, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, merkt schnell, wie groß, offen und hilfsbereit die BDSM-Szene ist.

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