10 Red Flags, auf die Subs bei Doms achten sollten

Autor: KatKristall
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Es gibt sie nicht nur im Chemieunterricht oder in der Fahrschule: Auch in der BDSM-Szene gibt es so genannte Red Flags. Sie beziehen sich auf Verhaltensweisen, die auf manipulative oder egoistische Absichten, Ignoranz oder Unwissenheit schließen lassen. Auf Red Flags zu achten und sie zu erkennen sorgt für deine Sicherheit.

Viele Red Flags im BDSM können unabhängig von deiner Rolle auftauchen. Es gibt aber auch spezifische rollenbedingte Red Flags, die speziell bei devoten oder dominanten Persönlichkeiten immer wieder zu beobachten sind. Dieser Beitrag widmet sich den „Dangerous Dominants„.

Die folgenden Red Flags sind eine Beschreibungen von Warnzeichen vor allem in der Kennenlernphase oder dem Anfang einer Beziehung. Sie können aber auch später auftauchen. Einige von ihnen sind kein Grund eine Beziehung zu beenden oder eine Verbindung zu lösen. Es gibt auch Beziehungen, für die einige dieser Verhaltensweisen etablierte Wege sind. Dennoch sollen sie dir Anstoß zur Reflexion geben.

1. Dom beachtet kein Safeword und möchte auch keines

Sollte dir ein:e Dom kein Safeword zugestehen, weil er oder sie behauptet keines zu brauchen, ist das eine der größten Red Flags.

Dein Safeword ist deine Sicherheitsleine. Es gibt dir die Möglichkeit etwas zu beenden, zu verlangsamen oder zu verändern. Jemand, der oder die dir diese Optionen nicht zugesteht und dir damit diese Kontrolle nimmt, respektiert deine Grenzen nicht. 

2. Lehnt es ab über die Rahmenbedingungen zu sprechen

Eine weitere Red Flag ist es, wenn ein:e Dominant nicht über die Rahmenbedingungen sowie Soft- und Hard-Limits spricht. Gesteht dir ein:e Dom keine Limits zu, behauptet, er oder sie brauche keine oder geht sogar soweit, das Konzept von Limits abzulehnen, ist das ein Alarmsignal. Solche Doms sind zu wenig auf deine Person fokussiert. Erklär deine Grenzen vorher eindeutig. Will dein:e Top sie gar nicht erst hören, lass dich nicht darauf ein.

3. Keine Before and Aftercare? Red Flag Alarm!

Es ist wichtig, vor jeder Session die jeweilige aktuelle körperliche und mentale Lage abzufragen um sich dem Gegenüber bewusst zu werden. Das zeigt, dass sich dein Gegenüber für dich interessiert und deinen Zustand in eure Session einfließen lässt.

Ein:e Dominant, der oder die deine Sorgen und Gefühle nicht respektiert, sondern dir sogar das Gefühl gibt, dass du dich dieser schämen solltest, ist ignorant. Solches Verhalten ist ein Red Flag. Geht der/die Dom:me sogar so weit mit Floskeln wie „Stell dich nicht so an“ zu reagieren, wenn du deine emotionale oder körperliche Lage beschreibst, solltest du sofort abbrechen.

„Good Doms Do Aftercare“, heißt es so schön. Tja, und Bad Doms don’t.

Aftercare nach einer Session ist essentiell und nicht optional. Daher solltet ihr schon vor der ersten Session unbedingt besprechen, wie die Zeit nach dem Spielen gestaltet wird. Doms die keine Aftercare praktizieren, nicht über das Erlebte zu sprechen oder dich vielleicht sogar gleich wieder loswerden wollen, sind Red Flags. Sie sind offensichtlich zu sehr nur auf das Spielen fixiert und zu wenig auf dich. Finger weg!

4. Gibt sich keine Mühe, Vertrauen aufzubauen

Vertrauen ist absolut notwendig für die intensiven und grenzüberschreitenden Erfahrungen die du machen wirst. Deshalb ist es eine Red Flag, wenn dir nicht aktiv das Gefühl gegeben wird, dem oder der Top vertrauen zu können. Fühlst du dich nicht sicher bei Dom:me, höre auf dein Bauchgefühl.

Ehrlichkeit ist eine zwingende Voraussetzung um Vertrauen aufzubauen. Gerade wenn es um den eigenen Zustand geht. Egal wie eure BDSM-Beziehung geartet ist: Auch der oder die Dom muss seine oder ihre Bedürfnisse kommunizieren und Klarheit über den eigenen Zustand, Wünsche und Umstände schaffen. Wie Vertrauen aufgebaut wird ist zwar sehr persönlich, doch Ehrlichkeit, Kommunikation, Kompromisse und Authentizität sind in den meisten Fällen unabdinglich.  

Gerade Ghosting, Ignorieren oder Kontaktabbruch oder auch die bloße Androhung hiervon machen Vertrauen besonders schwer. Man fühlt sich schnell im Stich gelassen und machtlos. Kontaktentzug als Bestrafung zu nutzen, kreiert Druck und Verlustängste. Solche Mittel sind gerade am Anfang einer Beziehungen ein Red Flag, da sie viel Vertrauen und Sicherheit voraussetzen.

5. Erkennt eure BDSM-Beziehung nicht als vollwertig an

Habt ihr eine Beziehung in Form einer Partnerschaft, ist es eine Red Flag, wenn dein:e Dom die genauen Rahmenbedingungen nicht gemeinsam mit dir abstecken möchte. Auch Abmachungen zu ignorieren, weil er oder sie eure Beziehung im Gegensatz zu einer „normalen“ Liebesbeziehung nicht als vollwertig ansieht, ist nicht in Ordnung.

Das kann bei den rudimentären Dingen anfangen, wie keine spezifische Aussagen zu machen ob euer Verhältnis exklusiv, offen, poly oder wie auch immer geartet ist. Dementsprechend kann es sogar zum Fremdgehen kommen, weil nicht ausgesprochen wird, wie genau die Verhältnissen und Regeln dafür sind. Denn auch ohne partnerschaftliches Verhältnis hast du im Sinne deiner psychologischen Sicherheit das Recht, dass die Rahmenbedingungen eurer Beziehung definiert und eingehalten werden.

„Ich möchte die Mutter meiner Kinder nicht schlagen.“

Bedauerlicherweise gibt es immer wieder Doms, die Subs nicht geeignet als Lebenspartner:in oder zukünftige Eltern sehen können oder wollen. Ein Spielverhältnis vage und unverbindlich zu halten, ist dann oft ein beliebtes Mittel, damit Hoffnung auf mehr gar nicht erst aufkommt.

Nicht jede Spiel-Beziehung muss zu einer Partnerschaft führen. Aber eine enge Beziehung aufgrund der sexuellen Neigung des Gegenübers auszuschließen ist höchst diskriminierend und daher schon allein für sich eine Red Flag.

6. Red Flag: Respektlosigkeit

Respektlosigkeit kann sich schon durch banalere Dinge wie Unpünktlichkeit und Unachtsamkeit ausdrücken. Jemand taucht nicht zu der vereinbarten Zeit oder zu Zeiten, an denen ein Treffen nicht besprochen war, auf. Gerade letzteres ist eine deutliche Red Flag.

Einige Doms wollen nicht planen. Vielmehr fordern sie, dass Sub sich permanent bereithält. Für manche mag diese Vorstellung sicher ein gewisses Kribbeln auslösen. Wenn dies so nicht vereinbart wurde, spricht es jedoch nicht für Respekt für deine Planung oder deinen Alltag.

Ein weiteres Zeichen für Respektlosigkeit ist, wenn dein:e Dom:me sich weder bedankt, entschuldigt, noch deine Leistungen anerkennt und wertschätzt. Das Ausbleiben von Höflichkeit und sozialen Umgangsformen hat nichts mit Dominanz zu tun. Anerkennung und Wertschätzung sind fundamentale Zeichen von Menschlichkeit und daher sehr wichtig für jede Art von sozialer Verbindung.

7. Dom verharrt in seiner Rolle

Zwar kann Dominanz etwas sein, das man nicht ablegt und immer in der Persönlichkeit verankert ist. Dennoch ist gibt es einen Unterschied, ob jemand einen dominanten Charakter hat oder sich permanent in der Dom-Rolle bewegt.

Zur Red Flag wird es, wenn Tops ihre Rolle in einen Streit einbringen und sich hinter dieser Machtposition verstecken. Das bedeutet im schlimmsten Fall, diesen Streit mit in eine Session zu nehmen.

„Das wird dich lehren, den Hausmüll stehen zu lassen“ oder „Bist du sicher, dass du so mit deiner Herrin reden willst?“

Unter der Annahme „Ein Dom ist unfehlbar“ geht ein:e Bad-Dom:me auch abseits von euren Spielsituationen davon aus, dir stets überlegen zu sein und Recht behalten zu müssen.

Zur eindeutigen Red Flag wird es, wen Dom:me deinen Wunsch nicht respektiert, wann oder wo ein Machtaustausch stattfindet. Er oder sie vollzieht diesen völlig autonom und willkürlich. Egal, ob jemand dich anfasst, anspricht, demütigt oder dir sogar körperlich gegenüber wird: Du legst die Orte und Situationen fest, in denen du submissiv sein möchtest. Das nicht zu respektieren überschreitet deine Grenzen und hier läuten alle Alarmglocken.

8. Negatives Sozialverhalten und ein schlechter Ruf – eine Red Flag?

Während Alltagsdominanz nichts Verwerfliches ist, so kann ein dauer-dominanter Mensch schnell unangenehm werden. Man erkennt dies daran, dass so jemand sich automatisch in Gruppensituationen vorzieht. Er oder sie versucht über alles und jeden zu bestimmen. Gerade gegenüber Personen, die ihm oder ihr situationsbedingt untergeordnet zu sein scheinen. Ein konkretes Zeichen ist herablassender Umgang mit Menschen im Service-Bereich. Wie ein Mensch mit Dienstleistern umgeht und über sie spricht, zeigt oft wie viel Respekt die Person vor sozialen Stellungen hat. Auch wenn die Person ständig schreit, andere Meinungen pauschal ablehnt, beleidigendes, abfälliges Verhalten oder gar Gewalt an den Tag legt, spricht das nicht für die emotionale Stabilität.

Natürlich ist es noch lange kein Red Flag wenn dein:e Dom:me nicht in jeder Situation der perfekte Gentleman oder die perfekte Lady ist. Dom:me ist eben nicht unfehlbar. Jeder benimmt sich mal daneben, reagiert falsch oder wird laut. Doms und Dommes jedoch, die an starken willkürlichen Stimmungsschwankungen leiden und auch bei menschlichen Fehlern mit Wutattacken reagieren, können zu Red Flags werden. Nämlich dann, wenn dieses Verhalten auch in eure BDSM-Beziehung, schlimmstenfalls in Spielsituationen, übernommen wird. Denn in einer emotionalen Beziehung in denen Aufgaben und das Befolgen von Befehlen ein wesentlicher Teil sind, ist dieses Verhalten absolut demoralisierend.

Und auch wenn Fehler in der Vergangenheit keine automatischen Rückschlüsse auf zukünftiges Verhalten schließen lassen müssen: Ein schlechter Ruf in der Szene und viele dramatisch beendete Beziehungen und Freundschaften können Anlass zur Besorgnis sein. Eine schlechte Meinung bei einzelnen Menschen ist schnell gebildet. Aber die Alarmglocken sollten spätestens dann läuten, wenn mehrere Menschen von denselben schlechten Erfahrungen oder bedenklichen Verhaltensweisen deines oder deiner Dom berichten. Sollte dein:e Dom sogar von Hausverboten betroffen sein oder auf einer Blacklist stehen, kannst du sicher sein, dass es sich hierbei um eine Red Flag handelt.

8. Druck und Zwang

Auch eine Red Flag über die häufig berichtet wird, ist wenn ein:e Dom Druck auf den submissiven Partner ausübt. Es wird konstant etwas gefordert wird, das außerhalb der Komfortzone liegt. Dadurch wird dir suggeriert, dass dieses Ziel nahe liegt und von dir erreicht werden sollte. Auch bei Handlungen, die nur leicht in diese Spielart oder das Level gehen, wird erwähnt: „Das machen wir dann irgendwann mal“. Druck kann auch ein Korsett aus Regeln, Anweisungen und Verboten sein, die dich über deine Grenzen in deinen Handlungen einschränken. Auch Ungeduld kann ein Red Flag sein.

Zu einer gewissen Zeit hieß es: „Sub muss gebrochen werden“. Damit war gemeint, dass wahre Submission nur erreicht werden könne, wenn der Person das Ego genommen und ihr Wille außer Kraft gesetzt wurde. Es ist ein absolutes Red Flag an dieser antiquierten, toxischen Aussage festzuhalten. Zwar ist es gewissermaßen ein natürlicher Prozess, jemandem in einer Beziehung eine gewisse neue Form zu geben, doch „brechen“ ist ein Gewaltakt. Es ist inakzeptabel. Stattdessen setzt man Ziele und Erwartungen gemeinsam. Denn heute gilt ganz klar: Echte Devotion, kann nur durch die freiwillige Hingabe in einem Gefälle entschieden werden.

Auf deine deutlichen Grenzen mit Druck oder Zwang zu reagieren, ist definitiv eine Reg Flag. Genauso wie dich für deinen Willen oder die Einhaltung deiner Grenzen zu bestrafen.

9. Red Flag nicht nur im BDSM: Stalking, Eifersucht, Kontaktverbote

Heutzutage ist es – vor allem durch Social Media – erstaunlich leicht, ständig festzustellen, wo jemand ist und was er oder sie macht. Wenn das allerdings von einer Beiläufigkeit zu einer regelrechten Obsession wird, ist es bedenklich. Permanenter Kontrollzwang und krankhafte Eifersucht sind in jeder Beziehung, ob BDSM oder nicht, ein Red Flag.

Sicherlich, Kontrolle kann ein Teil des Machtgefälles innerhalb einer BDSM-Beziehung sein. Nachverfolgung und die Ausweitung dieser Kontrolle auf deine Privatsphäre gehören in den meisten Fällen jedoch nicht zum Machtaustausch. Die Postfächer und Posts von submissiven Personen auf einschlägigen Portalen werden häufig mit Nachrichten und Kommentaren überflutet. Doms, die verlangen, Chats zu lesen und zu kontrollieren, auf Kommentare und Nachrichten eifersüchtig reagieren und deine Rechtfertigung erwarten, nehmen dich mehr als Besitz denn als Mensch war. Ist dies nicht definitiv Teil eures Machtgefälles, ist es eine Red Flag.

Noch deutlicher ist es, wenn Dom dir den Kontakt zu anderen verbietet, besonders wenn es sich um Familie, Freunde und Bekannte handelt. Meist sind davon vor allem die Vanilla-Freunde betroffen. Besonders ein:e gefährliche:r Dom befürchtet eine möglicherweise kritische Haltung gegenüber eurer BDSM-Beziehung.

Ist dein:e Dom dein aber dein einziger Kontakt, die einzige Meinung, die du hörst und die einzige Anlaufstelle im Alltag kann das schnell in eine ungesunde Richtung abdriften. 

Das Verlangen, dein komplettes soziales Auffangnetz aufzugeben, ist eine absolute Red Flag.

Sonderfall: Eifersucht und Kontrolle in Poly-Beziehungen

Ein besonders sensibler Umgang mit Unsicherheiten ist bei BDSM-Beziehungen gefordert, die vereinbart polyamor sind. Zwar ist es normal, dass in diesen Konstellationen Eifersucht aufkommt, doch darf sie nicht jede Handlung und Interaktion bestimmen. Wenn jedes mal bitter nach „den Anderen“ gefragt wird, wenn du bei einer anderen Partnerperson bist oder immer mehr Regeln für die Treffen mit anderen auferlegt werden, so liegt dieses Verhalten über einer gesunden Eifersucht.

Auch wenn dein:e Dom sich weigert, dich anzufassen oder dir bewusst das Gefühl gibt, dass du gerade „unrein“ oder „benutzt“ bist, weil du mit jemand anderem Kontakt hattest, handelt es sich um ein Red Flag innerhalb einer Poly-BDSM-Beziehung.

10. Red Flag beim Umgang mit der BDSM-Szene

Die BDSM-Szene, egal ob Stammtische, Parties, Online-Foren, Fesseltreffen oder andere Gruppen, ist ein einzigartiger Kosmos. Sie ermöglicht Austausch von Ideen und Erfahrungen, das Erläutern von Gemeinsamkeiten und Unterschieden.

Manche Doms äußern sich jedoch permanent abfällig über die Szene. Das ist zwar nicht per se eine Red Flag, sollte aber hinterfragt werden.

Besonders dann, wenn dir der Kontakt zu anderen Szenemitgliedern schlecht geredet oder sogar verboten wird. Aber da wären wir wieder beim Kontaktverbot angelangt.

Eine Red Flag ist es, wenn Dom:me verhindern möchte, dass du von der Szene inspiriert wirst, dazulernst, dich weiterentwickelst und mit anderen über deine Erfahrungen redest. Denn die meisten Szene-Mitglieder sind sensibilisiert für toxische Verhaltensweisen und Beziehungen und könnten dich somit warnen. Auch die Angst, dass du deinen eigenen Platz in der Szene findest, kann ein Grund sein. Die Befürchtung, dass sein oder ihr Einfluss geringer wird, zeugt wiederum mehr von Kontrollzwang als von Besorgnis um dich.

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