8 Red Flags, auf die Doms bei Subs achten sollten

Autor: KatKristall
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Warnzeichen. Wir kennen sie von Verpackungen, im Straßenverkehr oder noch aus dem Chemieunterricht. Heutzutage begegnen uns diese jedoch auch in unseren Beziehungen. Im BDSM spricht man dann von so genannten Red Flags. Meistens beziehen sie sich auf gewisse Verhaltensweisen, die allgemein auf manipulative oder egoistische Absichten, Ignoranz von Prinzipien oder einfach Unwissenheit schließen lassen.

Wenn von diesen Warnzeichen in der BDSM-Szene die Rede ist, sollen die damit einhergehenden Tipps meist devote Personen, Subs, vor gefährlichem Verhalten von Doms warnen.

Dummdoms, Poser:innen und Missetäter:innen sind gängige Charaktere die einem dabei begegnen. Das klingt, als ob dem dominanten Part, als machthabendes Individuum keine „Gefahr“ droht. Doch nicht alle devoten Lebewesen sind liebreizende Engel, die auf den oder die perfekte:n Dom warten.

Gefahr von unten?

Denn Submissives, Bottoms, Bunnies oder auch Serfs können hinterhältig sein, wie Doms oder Rigger:innen mit bekannten Profilen immer wieder berichten. In ihren Postfächern sammeln sich Nachrichten, die von aggressiven Unterwerfungswünschen über das Aufzwingen von Fantasien und dem Einfordern von Dominanz bis hin zu Kink-Shaming und Beleidigungen reichen.

Respektloses Verhalten, das sich meist auch auf die derzeitigen Partner:innen, Subs, Modelle, Bunnies oder Sklaven bezieht, in dem abfällig über diese gesprochen und gelästert wird. Andere spielen eine gewisse Rolle nur vor, verweigern sich, ändern dauernd ihre Meinung, können oder wollen sich eigentlich gar nicht einlassen. Im Folgenden werden die häufigsten dieser Verhaltensweisen vorgestellt.

1. Betteln und Einfordern

„Sag mir was ich machen soll, Daddy!“, „Ich gehöre Ihnen Herrin, benutzt mich!“ oder „Schlagt mich bis ich nicht mehr laufen kann. Ich möchte für Sie alles aushalten!“

Oft genug bringen diese Sätze große Freude und Gänsehaut mit sich. Doch etwas auf diese Art einzufordern, ist nicht immer angemessen. Jemand, der sich euch zu Füßen wirft, ohne ein Konsensgespräch geführt zu haben oder eure Vorlieben zu kennen, hat offensichtlich keine Vorstellung von dem, was ihn oder sie erwarten könnte oder was die eigenen Grenzen sind. Zwar gibt es Events, die genau darauf ausgelegt sind, außerhalb von diesen haben solche Wünsche jedoch keine Gültigkeit.

Aber auch in einer schon bestehenden Beziehung ist das ständige Einfordern ohne vorheriges Abklopfen eine Unart. Wenn Sub dauernd nur fordert und bettelt, fühlt sich der dominante Part unter Druck gesetzt und nicht ernst genommen. An einem Tag, an dem einem selbst nicht nach Spielen ist, kann das permanente Fordern einer Spielart oder der gewünschten Intensität unangenehm und überfordernd sein. Das beknien, jammern und betteln mag objektiv erstmal unterwürfig erscheinen, ist aber eines in jedem Fall nicht: Devot.

In beiden Situationen gilt: Wenn vorher nicht besprochen wurde, was, wann und ob man überhaupt gemeinsam ein Erlebnis haben möchte, spricht Betteln und Fordern für ein selbst fokussiertes und unreflektiertes Gegenüber. Denn jede Person sollte sowohl ihre eigenen, als auch die Bedürfnisse der anderen Person mit derselben Wertigkeit behandeln. Betteln spricht dabei für Unsicherheit und Verzweiflung und damit nicht gerade für ein gesundes Verhältnis. Spätestens, wenn diejenige Person nach der Ablehnung sogar noch schmollt, sollten alle Warnlampen blinken!

2. Ausreden erfinden, um Ziele nicht zu erfüllen

BDSM ist kein Sport, dennoch sind Ziele das angebrachte Wort. Ziele können sowohl etwas sein, dass man gemeinsam oder für sich erreichen möchte oder auch einen Zustand markieren, in dem eine neue Intensitätsstufe eingeläutet wird. 

Wir alle haben verschiedene Meilensteine, die wir erreichen müssen, um Vertrauen zu erreichen. Manche Subs wollen erst eine gewisse Zeit eine etablierte Beziehung haben, sich mit Equipment vertraut machen oder Gewohnheiten entwickelt haben, bevor sie etwas neues tun. Zum Beispiel haben viele eine Hemmschwelle, bevor sie zum ersten Mal ein Halsband tragen, jemanden mit Titel ansprechen oder sich für neue Praktiken bereit fühlen.

Gerade am Anfang einer Spielbeziehung muss sich der dominante Part von den Bedürfnissen und Grenzen des oder der Sub leiten lassen, sodass Takt und Intensität oft mehr an der submissiven Seite abgestimmt werden, da diese ja oft die „tragende“ Rolle spielt.

Wenn aber Sub andauernd neue Gründe vorschiebt, um die Bedürfnisse des oder der Dom nicht anzuerkennen, kann dies zur Belastung werden. Offene Kommunikation ist hier unglaublich wichtig. Auch oder gerade, wenn es um Unwillen, Nervösität oder Bedenken geht. Es ist vollkommen ok, etwas nicht zu wollen oder sich anders zu überlegen. Was nicht ok ist, ist Dom mit leeren Versprechen hinzuhalten, ihn oder sie ständig durch neue Reifen springen zu lassen, damit er oder sie sich seine oder ihre Bedürfnisse verdient. Das ist sogar als missbräuchlich zu werten.

3. Dauerhafte Verweigerung

Hierbei geht es natürlich nicht um das grundlegende Widersprechen oder Kommunizieren von Limits. Es geht eher darum, absolute Verweigerung an den Tag zu legen, trotz vorangegangener ausführlicher Besprechungen inklusive Zustimmung und festlegen von Grenzen und Zielen. Natürlich darf jede:r Teilnehmer:in die eigene Meinung ändern, wenn die Situation anders verläuft als vorgestellt. Es gibt sogar einige Brats, die sich genau das als feste Taktik gesetzt haben. Doch wenn nach Zustimmung alles abgesagt wird, ohne einen Grund zu kommunizieren, kann das den dominanten Part zutiefst verunsichern.

Nochmal: Ängste, Nervosität, Unsicherheit, Bedenken oder vielleicht auch einfach eine unpassende Stimmung sind normal und sollten angesprochen werden. Doch zusammengekniffenes weigern gegen alles kann Kommunikation und Vertrauen nachhaltig schädigen. In diesem Moment ist es oft ratsam, eine Session oder ein Gespräch abzubrechen oder das Safeword zu nutzen, um die Reichweite dieses Verhaltens zu zeigen.

4. Keine Limits haben

In vielen Online-Profilen steht „Keine Grenzen“ oder „tabulos“. Vermutlich möchte man mit solchen Angaben attraktiver auf Doms wirken, Offenheit, Flexibilität und unbegrenzte Möglichkeiten suggerieren. Eine der offensichtlichsten Red Flag bei Subs.

Denn „keine Grenzen haben“ heißt oft, dass sich die Person noch nicht mit ihren Bedürfnissen beschäftigt hat. Manchmal spricht dies auch für eine Person mit niedrigem Selbsterhaltungstrieb. Doch Naivität kann, gerade an dieser Stelle, furchtbar schief gehen. 

Denn was als Grenze angesehen wird, ist höchst subjektiv und von der individuellen Erfahrung und Vorstellungskraft abhängig. Für manche ist das ein Schimpfwort, eine Backpfeife oder Suspensions. Für andere heißt es, die Haare abzurasieren, das Handy abzunehmen und Sub eine Woche in einen Käfig zu sperren.

Gerade, wenn man noch neu in der BDSM-Szene ist, birgt das Wirrwarr an Begriffen, Fetischen, Praktiken und Spielzeug genügend Risiko, um sich schnell zu verlaufen. „Tabulosen“ Subs ist daher gut geraten, sich in unserem ABC zu informieren oder mit Hilfe einer Neigungsliste, etwa von Bad Girl, die eigenen Grenzen zu reflektieren.

5. Angaben ignorieren

Ein beliebtes Phänomen auf Online-Dating-Plattformen. In der Welt des Internets sind wir oft erstmal eine Sammlung von Titeln, die wir uns gegeben haben und in eine Multiple-Choice-Software einspeisen. Trotzdem werden auch die eindeutigsten Profiltexte gerne überlesen und Doms nur auf ihre Rolle reduziert.

So finden sich unzählige Nachrichten und Anfragen in den Postfächern von Doms, die nicht zu ihren im Profil kommunizierten Bedürfnissen passen.  Egal, wie gut eine Nachricht gemeint ist, eine klare Aussage zu ignorieren spricht nicht für den oder die Absender:in. Wer bereits vor dem Anschreiben keine Aufmerksamkeit oder Respekt zeigt, der wird sein Verhalten auch nicht im echten Leben ändern. Definitiv eine Red Flag bei Subs.

„Nicht auf der Suche“ oder „Suche ausschließlich Haussklaven“

Sich trotz solch eindeutigem Gesuch jemanden anzubieten, der in einer festen Beziehung ist und keine weitere sucht, ist nicht nur respektlos der Person, sondern auch dem oder den Partner:innen gegenüber. Gerade, wenn man sich dann noch interessanter oder besonderer darstellen will, sogar den Schritt geht, den oder die Partner:in zu kritisieren, verwandelt man sich nicht automatisch in das begehrenswerte Sub sondern in ein respektloses Arschloch.

Aber auch in einer Session kann es passieren: Es gibt Subs, die davon ausgehen, dass Dom auf eine Fantasie oder Spielart eingeht, wenn man ihn oder sie beim Spielen einfach mal damit konfrontiert. So bringen sie Equipment mit, sprechen ihre Fantasien in unpassenden Situationen aus, fordern aggressiv dazu auf oder betteln dann darum. Sie liefern sich ohne Absprache aus, warten gefesselt, geplugged oder ziehen heimlich Kleidung an, auf die sie stehen. Das bringt einen wieder in die unangenehme Situation, Ablehnung und Absagen zu erteilen.

6. Alles abgeben

Dieses Problem kommt in den besten BDSM-Beziehungen vor. Nachdem man den oder die passende:n Top gefunden hat, gibt Sub den Hut ab und gleich noch Mantel, Pulli und Hose mit. Doch absolute Selbstaufgabe ohne Absprache direkt am Anfang ist eine Red Flag bei Subs.

Dominant sein heißt zwar Verantwortung zu übernehmen, Entscheidungen zu treffen und die Führung zu haben, jedoch nicht, alle Entscheidungen zu treffen und das Leben des oder der Sub komplett zu schmeißen. 

Natürlich gibt es in etablierten D/s-Beziehungen durchaus Machtgefälle, durch die Alltagsentscheidungen vollständig auf den oder die Dom übertragen werden. In diesem Fall spricht man von Total Power Exchange, kurz TPE. Ein Szenario, für das es in der Kennenlernphase definitiv zu früh ist und welches heutzutage immer seltener praktiziert wird.

Denn eine solche 24/7-Beziehung muss durch Gegenseitigkeit wachsen: Man hat Verantwortung sich und der Partnerperson gegenüber, kümmert sich um einander und ist für einander da. Das gilt für alle Beteiligten.

Wenn jedoch Kommunikation und Meinungen abgestellt werden, kann alles passieren. Zum Beispiel können wichtige Entscheidungen anders als gewollt getroffen werden oder unter den Tisch fallen. Auch als Dom dürft und solltet ihr daher Gegenleistung und Mitarbeit erwarten.

Wenn jemand von Anfang an verlangt, das der oder die Dom vollständig die Verantwortung über finanzielle, physische und emotionale Belange übernimmt, ist das definitiv eine Red Flag. Denn ein:e Sub, der/die sich zurücklehnt, sobald ein:e Dom gefunden wurde und sagt: „Das ist ab jetzt deine Entscheidung“ gibt sein oder ihr Leben unbedacht in die Hände einer anderen Person. Die meisten Beziehungen jedoch setzen voraus, dass grundlegende Entscheidungen selbst getroffen werden.

7. Die halbe Wahrheit

Verletzungen, Unannehmlichkeiten, Einschränkungen: Manchmal verschweigt ein:e Sub diese Dinge aus Angst zu kompliziert zu wirken oder weil er oder sie nicht für wichtig hält. Doch ob physisch oder psychisch: Alte wie aktuelle Verletzungen und Einschränkungen sind sehr wichtig zu kommunizieren.

Vor jeder Session sollte ein aktueller Zustand festgestellt werden. Das gilt für Mietautos, ebenso wie für Subs und Doms. Dabei kann man sich einfach voreinander setzen, Körperkontakt herstellen und fragen, wie Sub sich heute fühlt. Ermutigt ihn oder sie, Kopfschmerzen, Verspannungen, Steifheit, vielleicht auch bestimmte Gefühle zu kommunizieren. Solltet ihr das Gefühl haben, dass euch etwas verschwiegen wird, macht klar, dass Hingabe und los lassen nicht möglich sind, wenn die ganze Zeit nur an schmerzende Backenzähne oder reißende Muskeln gedacht wird. Befindlichkeiten zu kommunizieren stärkt außerdem das Verständnis für den Körper der Partnerperson.

8. Und auch der Kopf muss mitspielen

Genauso wichtig wie der Körper ist auch der geistige Zustand. In den eigenen Gedanken gefangen zu sein, birgt genauso viele Gefahren, wie ein angebrochener Zeh. Ein falscher Stoß oder eine augenscheinlich kleine Bewegungen können großen Schmerz verursachen.

Psychische Erkrankungen oder Belastungen per se sind keine Red Flags bei Subs. Sie zu verschweigen oder über sie zu lügen aber schon.

Denn es gibt Wörter oder Gesten die schlechte Erinnerungen, Panik, Angst oder alte Traumata auslösen können. „Trigger“ nennt man das. Diese gilt es vorher zu klären. Manche Menschen verlieren die Fähigkeit zu sprechen oder brauchen etwas bestimmtes, wenn sie Panik bekommen. Eine Decke, Tee, Wasser, ihre Ruhe oder ihr Handy. Auch diese Dinge sollten vorher abgeklärt werden. Da psychische Zustände oft schwierig zu erklären oder umfassend zu beschreiben sind, muss Dom einfühlsam und aufmerksam sein. Ohne die Mitarbeit des oder der Sub geht es aber auch nicht.

Depressionen, Traumastörungen, Panik-Tendenzen, ADHS, ADS oder Autismus sind heutzutage keine Tabu-Themen mehr. Durch bestimmte BDSM-Praktiken können diese aber getriggert werden. Es gilt daher, ein besonderes Augenmerk auf Subs mit selbstverletzendem Verhalten, Borderline oder Burnout zu haben. Manche Subs mit entsprechender Veranlagung benutzen Impact Play oder Bestrafungen als Form von Selbstverletzung oder Selbstgeißelung.

Anstatt einem Akt von Intimität und Machtgefälle, wird aus diesem ein Gewaltakt gegen sich selbst und der oder die Dom Mittel zum Zweck. Zwar sind diese Fälle eher die Ausnahme, da sie jedoch vorkommen können, müssen sie hier als Option aufgeführt werden.

Daher gilt wie immer: Seid aufmerksam und ehrlich zueinander. Verschweigt nichts und brecht im Zweifel eine Session ab. Kommuniziert neu, baut einen weiteren Dialog auf und versucht, eure Bedenken zu klären.


Manche dieser Dinge tun wir unbewusst oder aus Unwissenheit. Submissive Menschen haben oft das Bedürfnis zu gefallen, zu ertragen oder möglichst attraktiv zu wirken. Doch dies sind keine dauerhaften oder gesunden Lösungen. Weder für sich selbst, noch für die andere Person. 

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