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Wofür steht Keyholder? 

Keyholder ist englisch und bedeutet Schlüsselhalter:in. Ein:e Keyholder ist also eine Person, die den Zugang und den Ausweg über ein abgeschlossenes Objekt kontrolliert. Im BDSM gehört dieser Schlüssel, um den es dabei geht, oft zu einem Keuschheitsgürtel, einem Halsband oder etwas Vergleichbarem. Dieses Objekt befindet sich meist am Körper der submissiven Person und wird mit dem Schlüssel auf- und zugeschlossen. Der Begriff ist also sehr wörtlich gemeint.

Am häufigsten begegnet uns im BDSM die Rolle des oder der Keyholder im Zusammenspiel mit Keuschhaltung. Dabei besitzt der oder die Keyholder den Schlüssel, der das Schloss zum Keuschheitsgürtel verschließt, welcher wiederum den Zugang zu den Genitalien verhindert. Ohne Zustimmung kann dieser Keuschheitsgürtel nicht geöffnet werden und es kann nicht zu Stimulation und/oder Orgasmen kommen. Dabei muss ein:e Keyholder nicht unbedingt dominant sein, auch Subs können sich gegenseitig verschlossen halten. Der aktive Part bestimmt, wie lange und zu welchen Bedingungen dies geschieht. Die Regeln stellt der oder die Keyholder nach einvernehmlichen Kriterien auf. Ein verwandter Begriff dazu ist Orgasmuskontrolle.

Was macht ein:e Keyholder?

Die Schlüsselrolle, die man als Keyholder innehat, ist sehr abhängig von der Beziehung zwischen Top und Bottom. Manchmal ist der Schlüssel nur ein Symbol der Zugehörigkeit, das alltagsfreundlicher ist als ein ein klobiger Keuschheitsgürtel, ein Halsband oder andere BDSM Symbole. Ein Schlüssel ist ein dezentes Zeichen, das dennoch eine starke Erinnerung für den oder die Bottom ist, wenn man ihn sieht. Auf Vanillas macht er sogar oft einen unauffälligen, romantischen Eindruck. Grade an einem Fußkettchen oder an der Tasche getragen, ist er ein lässiger Tease im Alltag.

Die Aufgaben eines oder einer Keyholder sind abhängig vom Schloss, zu dem der Schlüssel gehört. Schließt er einen Keuschheitsgürtel auf, dann gilt es, diesen regelmäßig zumindest zu Hygienezwecken zu öffnen und eine intensive Bindung zum Keuschling zu halten. Ein:e Keyholder-Rolle ergibt sich normalerweise erst bei längerer oder regelmäßiger Keuschhaltung. Es kann aber auch für kurze Zeit, wie dem Abend einer Party oder für eine Session reizvoll sein, den Schlüssel aus der Hand zu geben. Man bestimmt hier über den Zeitpunkt und die Art des Orgasmus und der Lust.

Erhält man den Schlüssel zu einem Halsband, abschließbarem Armreif oder Ähnlichem, so hält man den Schlüssel wahrscheinlich öfter in der Hand. Er dient hier als Gegenstück zum Schmuck, dessen Tragen den Status als Sub oder Serf anzeigt. Bei permanent getragenen Objekten ist der Schlüssel eine Erinnerung. Dafür, dass man als Dom dieselbe bewusste Verantwortung trägt wie die Person, die permanent im Alltag markiert ist. Während einer Session ist das Anlegen ein klares Symbol für das Einsetzen des Machtgefälles zwischen den Parteien. Mit dem Aufschließen entfällt dieses wieder. Es wird wieder Gleichberechtigung hergestellt. Das Ritual ist ein gemeinsames Herunterkommen.

Ein:e Keyholder muss auch gar keine weitere Funktion haben oder in einer sexuellen Beziehung zum oder zur Träger:in stehen. Es reicht, den Schlüssel zu verwahren und ihn schwerer erreichbar zu machen. Denn während der oder die Keyholder zwar eine Machtposition innehat, muss er oder sie nicht zwingend dominant sein. Es kann auch für einen Abend amüsant sein, den Schlüssel innerhalb einer Playparty weiterzugeben.

Mit welchen Rollen ist ein:e Keyholder verwandt?

Da die Spielarten eines Keyholder sehr variieren können, finden sich in der Ausführung Überschneidungen mit den meisten anderen dominanten Rollen wie Dom, Daddy/Mommy, Master/Mistress, und Sadist:in. Die meisten Überschneidungen gibt es zu Menschen mit Vorliebe für Dominance und dem oder der Degrader. Allerdings können alle möglichen Menschen eine Vorliebe für Keyholding entwickeln.

Wer passt dazu?

Viele unterwürfige Rollen wie Bottom, Sub oder Serf, bei denen die psychische Komponente betont wird, harmonieren gut mit Keyholdern. Manche Keyholder mögen es auch, von einer oder einem Brat herausgefordert zu werden oder ein:e Little zu verschließen. Keyholder mit einer sadistischen Ader kommen mit Masochist:innen gut aus.

Wie erkenne ich, ob ich ein:e Keyholder bin?

Dein Lieblingscharakter aus Herr der Ringe war Frodo, Träger des Ringes? Dich erregt die Kontrolle über andere Menschen? Du schränkst die Sexualität deines Gegenübers gerne ein? Dann bist du vielleicht ein:e Keyholder! Der Gedanke, den Schlüssel in der Hand zu haben und über offen oder geschlossen zu entscheiden, bringt dir ein freudiges Kribbeln. Versuch es doch gerne mal!

Als Keyholder ist es wichtig, dass…

…du dich eingehend mit den Wünschen und Bedürfnissen der Personen, die sich dir unterwerfen wollen, auseinandersetzt und Grenzen respektierst. Frage deine:n Bottom nach seinen oder ihren Wünschen, Bedürfnissen und Vorstellungen. Ermutige ihn oder sie, diese klar zu äußern. Hältst du den einzigen Schlüssel zu jemandem, hast du dieser Person gegenüber eine Verantwortung. Gehe also rational und vernünftig damit um. Denk daran, dass ein Peniskäfig regelmäßig gereinigt werden muss. Es sollte auf jeden Fall immer einen Ersatzschlüssel geben, der gut aufbewahrt ist. Eventuell sogar in unmittelbarer Nähe des oder der Verschlossenen, aber ohne sein oder ihr Wissen. In einer Notsituation kann so der Gürtel oder das Halsband entfernt werden, auch wenn du nicht in greifbarer Nähe bist. Als Keyholder solltest du nicht ohne vorherige Absprache unerreichbar sein. Plant auch Ausnahme-Szenarien für unvorhergesehene Situationen.

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