Ruinierter Orgasmus – Hände weg!

Autor: Lynn
A bis Z | Kinks

Was ist ein ruinierter Orgasmus?

Ein ruinierter Orgasmus, in der englischen Sprache „ruined orgasm“ genannt, ist vor allem als Praktik bekannt, bei der man einen Mensch mit Penis bis zum sogenannten „Point of no Return“ stimuliert. Diese Stimulation wird jedoch sofort vorzeitig beendet. Synonym verwendet man oft den Begriff „Milking“ (Abmelken).

Auch bei Personen mit einer Vulva ist es möglich, einen Orgasmus zu ruinieren. Ob Vulva oder Penis: Einen Orgasmus zu ruinieren bedeutet, dass man den Orgasmus zwar statt finden lässt, die Befriedigung aber nicht eintritt. Der Orgasmus verhallt damit wirkungslos.

Die Erregungskurve mit und ohne Orgasmus.
Vorlage: dominante-gruesse.com

Besonders beliebt ist dieses Spiel in der BDSM-Welt, wo es in den Bereich der Orgasmuskontrolle fällt. Hierbei dominiert man Sub oder Bottom beim Sex auf eine besonders gemeine Art und Weise.

Warum versucht man, Orgasmen zu ruinieren?

Erregung verläuft normalerweise in einer steigenden Kurve und kommt letztlich an den Punkt, an dem ein Orgasmus erreicht wird. Menschen mit Penis erleben hier einen Samenerguss. Danach flacht die Erregung wieder ab. Dabei handelt es sich um eine länger andauernde Stimulation am Rande des Orgasmus. Diese wird dann an dem Punkt, an dem sich der Orgasmus anbahnt, unterbrochen. 

Wie so oft, geht es auch hier um Macht und Ohnmacht. Nach einem ruinierten Höhepunkt hatten Personen mit Penis zwar einen Samenerguss, aber ohne dieses erlösende, befreiende Gefühl. Auch bei Personen mit Vulva hat der Kopf das Gefühl, noch nicht gekommen zu sein und sehnt sich nach einem Orgasmus.

Ein ruinierter Orgasmus ist völlig unbefriedigend, denn die Lust bleibt erhalten. Dies bietet Raum für jede Menge Spiele und rauschende Lustzustände. Steigern lässt sich das Ganze noch, wenn nach einer kurzen Pause die Stimulation erneut beginnt.

Ruinierter Orgasmus – Was passiert dabei?

Für alle Geschlechter gilt, am Moment des point-of-no-return die Stimulation zu beenden. Dies geht durch Pausieren, Lustschmerzen oder durch Ablenkung. Erfolgt die Stimulation mit einem Toy wie beispielsweise Dildo oder Vibrator, wird dieses einfach entfernt. Das Lustempfinden stoppt, der physische Höhepunkt kommt- aber der Orgasmus bleibt aus.

Bei Menschen mit Penis läuft oder sickert bei Ruinierungen meistens klarer, süßer Nektar (Precum, Vor-Sperma) aus. Bei der ersten Ruinierung kann, abhängig von vorangegangener Keuschhaltung und Erregungszustand auch spritzend Sperma austreten. Trotzdem tritt keine Befriedigung ein. Ein unbeschreiblich intensives und zugleich deprimierend unbefriedigendes Gefühl. Denn die Person bleibt am Rande des Orgasmus und verspürt den Drang noch einmal „kommen“ zu wollen. Genauso verhält es sich bei Menschen mit Vulva/Vagina. Hier krampft sich die Muskelatur auf einmal um nichts, die Klitoris hat keine Stimulation. Es wird einem der Impuls genommen und die Lust fällt ins Leere.

Worauf muss ich bei ruinierten Orgasmen achten?

Das Spiel mit Orgasmuskontrolle und runierten Orgasmen ist mit Vorsicht zu genießen! Die heftige Sehnsucht nach Erlösung treibt so manche:n über die persönliche Leidensbereitschaft und Grenzen hinaus. Bei vielen wächst die Lust, Sehnsucht nach Anerkennung und Bindung zur dominanten Person dadurch enorm an.

Als Top oder Dom ist es daher unglaublich wichtig, die Limits der Partnerperson auch in diesem Rahmen zu kennen. Diese gilt es zu beachten, damit Einvernehmlichkeit gewährleistet wird und es nicht zu einem Drop kommt.

Wie ruiniert man einen Orgasmus…

…bei Menschen mit Penis?

Bei Personen mit Penis wird der Penis mehrfach wiederholt zum „Point of no return“ gebracht, ohne den erlösenden Orgasmus zu erreichen. Zu Beginn benötigt es allerdings etwas Übung. Die Person gibt der Partner:in ein Signal, wenn der „point of no return“ einsetzt. Die Partnerperson hört sofort auf, den Penis zu stimulieren und löst am besten auch die Hände vom Glied. Es kann auch mit Lustschmerz gearbeitet werden, um die sexuelle Stimulation zu unterbrechen.

Durch etwas Training und Übung kann die dominante Person diesen Zeitpunkt selbst gut erkennen. Man kann den bevorstehenden Orgasmus meistens an der Härte des Penis, dem Glanz der Peniseichel oder der Größe der Harnröhrenöffnung erkennen. Es tritt zwar Sperma aus, jedoch ohne Erlösung. Dadurch, dass die Stimulation für den erlösenden Höhepunkt ausbleibt, entwickelt sich ein Gefühl der Lustfolter. Der Penis ist heftig geschwollen, zuckt und pocht und wird stark durchblutet. Häufig kann die Eichel oder auch Hodensack und Samenstränge beginnen zu schmerzen.

…bei Menschen mit Vulva?

Bei Menschen mit Vulva/Vagina ist das Prinzip ähnlich. Allerdings ist es hier etwas schwieriger, die Zeichen zu erkennen. Ein mögliches Zeichen ist, dass der Muttermund beginnt zu pulsieren. Mit einem Finger auf dem Muttermund ist es möglich, den Orgasmus zu erkennen. Das ist jedoch nicht bei jedem Menschen machbar. Am Damm kann man ebenfalls auf Muskelzuckungen achten. Ebenso beginnt die Scheidenmuskulatur, sich anzuspannen. Das sind relativ sichere Hinweise für den bevorstehenden Orgasmus.

Möglichkeiten, den Orgasmus bei einer Person mit Vulva/Klitoris ins Leere laufen zu lassen, sind ebenfalls Lustschmerz oder das gezielte Zusammendrücken des Klitoris-Schaft. Schläge auf die Vulva sorgen für einen besonders fiesen ruinierten Orgasmus.

Auch Personen mit Vulva bleiben danach unbefriedigt zurück. Sie berichten ebenfalls von Schmerzen, ausgedehnt in den Schamlippen und in der Vulva. Die Schamlippen schwellen stark an, die Person ist sehr feucht und erregt, übersensibel für weitere Berührungen und Stimulationen. Aber nicht befriedigt und weiterhin „geil“.

Welche Praktiken sind ähnlich?

In der Keuschhaltung findet der ruinierte Orgasmus Verwendung. So wird der Druck durch die Keuschheit genommen, doch im Anschluss wird der Penis wieder verschlossen und die Lust bleibt bestehen. Man spricht manchmal in diesem Zusammenhang auch von „Carezza“ oder „Karezza“ . Bei letzterem geht es aber – vereinfacht gesagt – um die Erhaltung der Plateauphase.

Beim Abmelken, Edging, oder Orgasmus ruinieren übernimmt optimalerweise die Partnerperson die Kontrolle über die Lust. Er oder sie entscheidet, ob und wann der erlösende Orgasmus stattfindet. Daher fallen auch alle diese Spielarten, sowie der ruinierte Orgasmus in die Große Kategorie der Orgasmuskontrolle.

Ruinierter Orgasmus – Wie lässt sich das noch steigern?

  • Vor der Ruinierungs-Session wird zunehmend steigernde Keuschhaltung verordnet.
  • Stimulation zu einem heftigen, schmerzhaften, trockenen Orgasmus nach ein bis drei Stunden.
  • Erweiterung des ruinierten Orgasmus durch ein anschließendes Orgasmusverbot von mehreren Tagen.
  • Prostatamassage statt Penisstimulation: Ruinierte Orgasmen durch Stimulation der Prostata können Abwechslung ins Spiel bringen.
  • Eine weitere Spielform in diesem Zusammenhang ist, wie bereits erwähnt, Tease and Denial. Dies kann eine sehr extreme Spielform sein.
  • Klar verbal den Orgasmus ansagen lassen, Sub betteln lassen und dann Verweigern, indem die physische Komponente ausbleibt.

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