Sounding – The Inn’s and Out’s

Autor: KatKristall
A bis Z | Kinks

Was genau ist Sounding?

Sounding, ist eine Sexpraktik aus dem BDSM. Wer sich in der Welt auskennt, für den oder die klingt das vielleicht nach einem Spiel mit Sinnesentzug und Musik. Tatsächlich versteckt sich aber etwas ganz anderes hinter diesem Begriff. Denn bei diesem Kink geht es darum, die Harnröhre aufzudehnen. Hierfür werden spezielle Toys vorsichtig in die Öffnung der Harnröhre des oder der Bottom geschoben. Häufig findet die englische Bezeichnung „Urethral Stimulation“ oder „Urethral Play“ oder auch der etwas derbere Begriff „Cockstuffing“ (dt. Penisfüllung; cock = englischer Slang für Penis, stuffing = stopfen) Verwendung, was in etwa so viel wie „Penisfüllung“ bedeutet und sich aus dem englischen Slang-Wort „cock“ für Penis und „stuffing“ für „stopfen“ zusammensetzt.

Beim Sounding erfolgt die Stimulation gleichermaßen physisch wie mental. Einige bevorzugen es als Vorspiel. Andere als intensives Machtspiel zwischen Dom und Sub.

Für Sounding verwendet man so genannte Dilatoren, lange dünne Stäbe aus Stahl oder Silikon, die in die Urethra, also die Harnröhre, eingeführt werden. Sie kommen aus dem medizinischen Bereich und werden generell zum Aufdehnen von Körperöffnungen genutzt. In der BDSM Szene haben sich inzwischen auch andere Helfer durchgesetzt, wie der Spermastopper oder das Prinzenzepter. Diese sind für den Penis konzipiert.

Warum macht man Sounding?

Der Reiz dahinter ist simpel: Auch wenn es sich für viele auf den ersten Blick schmerzhaft liest, so bereitet Sounding vielen Menschen Freude! Einige bevorzugen es als Vorspiel. Andere als intensives Machtspiel zwischen Dom und Sub. Grundsätzlich lässt sich zwischen mentaler und physischer Stimulation unterscheiden.

Körperlich: Eine äußerst intensive Stimulation. Denn bei Menschen mit Penis wird anstatt nur der Außenseite des Glieds beim Sounding auch das Innere stimuliert. Diese ungewohnte und reizvolle innere Stimulation eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Wird der Dilator besonders tief eingeführt, kann sogar die Prostata erreicht werden. Diese zu Stimulieren ist vergleichbar mit der G-Zone bei Menschen mit Vagina.

Mental: Sounding erzeugt ein unglaubliches Machtgefälle durch den Scham-Faktor und das Mindgame, das es mit sich bringt. Ein überwältigendes Gefühl des Ausgeliefertsein, der Entblößung, der Erniedrigung. Denn für die meisten Menschen ist der Gedanke, etwas in die Harnröhre eingeführt zu bekommen nicht alltäglich. Man kann bei dieser Praktik auch die Blase reizen. Freiwillige oder unfreiwillige Natursektspiele sind also beim Sounding also durchaus auch möglich. Dazu kommt, dass bei Menschen mit Penis die Ejakulation durch den eingeführten Gegenstand gehemmt oder gestoppt wird.

Die Reize für die passive Seite sind also vielfältig und zahlreich. Aber auch auf der aktiven Seite ist das spannende an dieser Spielart die Macht, die einem von der passiven Person übergeben wird. Immerhin tritt die unten spielende Person die Kontrolle an einem körperlichen Bedürfnis völlig an die aktive Partnerperson ab. Handelt es sich um die Penetration eines Penis, ist die Praktik für viele Doms ein besonderes Spiel mit der Erniedrigung an dem oder der Sub, da dieses Organ ja üblicherweise selbst zur Penetration genutzt wird.

Wie funktioniert Sounding und wie spielt man damit?

Sounding selbst beschreibt nur das Einführen eines Gegenstandes in die Harnröhre. Hier gibt es viele Möglichkeiten. Die medizinischen Dilatoren erfreuen sich der größten Beliebtheit. Hier unterscheidet man in zwei Arten: Dilatoren nach Haegar und Dilatoren nach Bakes, welche sich wiederum durch ihre Form unterscheiden. Dilatoren nach Haegar sind gleichmäßig dicke Stifte, während die nach Bakes dünne flexible Stäbe sind, die lediglich am Ende eine tropfenförmige Verdickung haben. Bei Haegar-Dilatoren fühlt sich das Aufdehnen also drastischer an, sie eignen sich aber auch zum längeren Tragen. Mit Bakes-Dilatoren kann man eher aktiv stimulieren und sie leicht ein- und ausführen

Dilatoren nach Haegar sind gleichmäßig dicke Stifte.
Dilatoren in unterschiedlichen Größen.
Foto: KatKristall

Aber auch so gennannte Penisplugs wie Spermastopper oder das Prinzenzepter haben sich durchgesetzt. Sie sind so designed, dass sie in die Harnröhre eindringen und meist kontinuierlich zum Ende hin dicker werden. Oft haben sie eine Kugel am Ende oder einen Ring, der um die Eichel liegen. Zweck ist nicht nur die Penetration der Harnröhre, sondern auch das Stoppen von Ejakulat.

Eine Steigerung dieser Sexspielzeuge sind Dilatoren oder Plugs mit Vibration oder Elektrostimulation, die man an ein elektrisches Gerät anschließen kann, oder Modelle zum aufpumpen. Diese Spielzeuge sind aber eher für erfahrene Spieler:innen geeignet.

Eine andere Variante ist das legen eine Katheters. Diese Spielart ordnet man dem Klinikbereich zu. Der hierfür eingeführte Schlauch kann als Dilator verwendet werden. Durch diesen kann dann zum Beispiel Urin unter Zwang entnommen werden oder die Blase ausgespült werden. Dabei lassen sich natürlich auch Schmerzen zufügen. Dieses Spiel mit der absoluten Macht über die Fähigkeit des Urinierens ist noch intensiver und es entsteht ein starkes Gefühl des Ausgeliefertseins.

Was muss ich beim Sounding beachten?

Sounding ist keine Spielart für Anfänger:Innen. Der Harnröhrenbereich ist wahnsinnig anfällig und empfindlich für Verletzungen und Infektionen. Am allerwichtigsten ist es daher, nur Spielzeug zu benutzen, das auch für diesen Zweck gedacht ist. Während man immer wieder von einer Vielzahl von Praktiken hört oder in Filmen sieht, wie allerlei Gegenstände in Harnröhren eingeführt werden, so sind nur jene safe, die man abkochen und somit vollständig desinfizieren kann. Denn Hygiene ist der wichtigste Punkt.

Die größten Risikofaktoren für Infektionen der Harnröhre durch Keime und Bakterien:

  • verschmutztes Spielzeug
  • die Hände
  • Falsches Gleitmittel (für Sounding verwendet man statt handelsüblichem Gleitgel Spritzen mit sterilem Katheter-Gleitgel, beispielsweise Endosgel oder Instillagel)
  • Zu schnelles Dehnen kann Einreißen und andere kleine Verletzungen verursachen
  • Verwendetes Spielzeug kann zu spitz oder zu scharfkantig sein
  • Lose Objekte können zu tief eingeführt werden und in die Harnröhre rutschen
  • Bei Menschen mit Vagina kann es durch die kurze Harnröhre schneller zu Blasenentzündungen kommen
  • Mangelnde Hygiene

Auch beim Sounding muss vorher ein Gespräch über den Konsens und die Limits und Regeln geführt werden. Denn diese Spielart ist sehr intensiv für den oder die Bottom, körperlich und mental. Daher ist es als Top besonders wichtig, einfühlsam und aufmerksam auf das Gegenüber einzugehen. Außerdem müssen die Reaktionen und Bedürfnisse des oder der Bottom genauestens beobachtet werden. Unerfahrene sollten sich also äußerst langsam an das Thema herantasten, sich über die richtigen Techniken informieren und sich ein gewisses anatomisches Basiswissen aneignen. Mentoren und Workshops können eine gute Hilfe sein. Und ganz wichtig: Sollte etwas schief gehen, ruft unbedingt den Notruf 112. Weitere Hilfsangebote für den Ernstfall findest du außerdem hier.

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